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Gipfeltreffen

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Als Nespresso begann, auf den abgelegenen Höhenzügen des Minas Gerais nach den besten Kaffeefarmern dieser brasilianischen Region zu suchen, traf das Team einen außergewöhnlichen Mann. Innerhalb eines Jahres verdoppelte er seine Produktion von Spitzenkaffee und legte auch für seine Nachbarn das Samenkorn des Erfolgs. Ein Porträt.


Die reise beginnt mit dem flugzeug: nach São Paulo, dort flughafenwechsel und weiterflug nach Uberlandia. Der name täuscht: diese friedliche ur-brasilianische agro-industriestadt hat keinerlei gigantomanischen hintergrund. Sie liegt in der nähe des rio Parana im bundesstaat minas gerais, der sechsmal so gross wie Portugal ist.

Dort gilt es, ein Taxi zu ergattern, das bereit ist, uns die 100 km durch eine bergige Agrarlandschaft hoch nach Monte Carmelo zu fahren. Danach folgt noch eine Stunde auf holprigen Pisten, wo uns Zebus in der Größe von Rhinozerossen begegnen. Quer durch wildes Buschland, Zuckerrohrplantagen und säuberlich gefurchte Kaffeepflanzungen, bis wir endlich auf der Fazenda Boa Vista eintreffen.

Hier hat Nespresso vor genau 7 Jahren das AAA Sustainable QualityTM Programm gestartet, ein globales Produktionsmodell für nachhaltige Landwirtschaft und Spitzen- Kaffeequalität, von dem jeder profitiert: Die nach den festgelegten Standards umweltschonend und sozialverträglich produzierten Kaffeebohnen werden von Nespresso garantiert zu einem über dem Marktpreis liegenden Tarif abgenommen. Der Kaffee ist hochwertiger, die Bauern verdienen ihren Lebensunterhalt, ohne die Natur auszubeuten. Auf Wunsch unter Anleitung eines Rainforest Alliance Beraters, der ihnen dann ein Qualitätszertifikat über die biodiversitätschonende Bewirtschaftung ihrer Felder ausstellt.

Das hört sich allerdings einfacher an, als es ist. Auf dem Land ändern sich die Gewohnheiten nicht so schnell. Die altüberlieferten Anbaumethoden bestehen in einem ewig wiederholten Kreislauf. Es ist verwirrend, wenn dieser plötzlich und zu schnell durch eine geradlinige Entwicklung in eine neue Richtung ersetzt werden soll. Aber schon bei der ersten Versammlung mit den örtlichen Kaffebauern fiel dem Programmleiter, Paulo Barone, das lebhafte Interesse eines Mannes auf, der intelligente Fragen und Zweifel formulierte. Ein Jahr später konnte er feststellen, dass genau dieser Leocarlos Marques Mundim die neue Philosophie nicht nur selbst umsetzte, sondern zudem bei anderen für sie warb. „Er zögert nicht, öffentlich das Wort zu ergreifen und seine Erfahrungen mit anderen zu teilen“, erzählt Paolo. „Mit natürlicher Autorität und Charisma wurde er zum Sprachrohr unseres Programms – in beide Richtungen: Er inspiriert seine Berufsgenossen ebenso wie uns.“

Leocarlos‘ Lebensgeschichte beweist, dass er sich gegenüber neuen Herausforderungen in seinem Element fühlt. Als das Erbe seiner Eltern unter seinen vier Brüdern und ihm aufgeteilt werden soll, tritt er für den Zusammenhalt der Familie und des Betriebs ein, indem er seinen sicheren Posten im Staatsdienst aufgibt, um sich der gemeinsamen Bewirtschaftung aller Ländereien zu widmen. Unter seiner Leitung floriert das Familienunternehmen zum Wohle aller und er erkennt schnell, wie es sich durch den verstärkten Anbau von „AAA-Kaffee“ vor Marktschwankungen bewahren und in eine gesicherte Auftragslage bringen lässt.

Er leistete Pionierarbeit für die Anwendung der Nespresso Standards, die man in jeder Region so unterschiedlich handhaben muss wie den Kaffeeanbau selbst. Überall gilt es, anderen Klima- und Bodenverhältnissen, Sitten und Gebräuchen Rechnung zu tragen. Für die riesige Cerrado-Savanne erfüllt Leocarlos eine wichtige Beraterfunktion. Er hilft beim Ausloten der bestmöglichen Umsetzung und Akzeptanz des Programms in seiner Heimat. Nespresso bat ihn um seine Mitarbeit an einem Gratis-Leitfaden der richtigen Arbeitsmethoden für alle Kaffeeproduzenten. So entwickelte er z. B. ein hochpräzises Trockenverfahren, das die maximale Dicke der Kaffeebohnenschicht festlegt, mit der man durch häufiges Wenden eine größere Menge hochwertiger Nespresso Qualität erlangen kann.

Mit seinen Methoden erzielt Leocarlos 100 Sechzig-Kilo-Säcke pro Hektar gegenüber 50 im Umland und nur 20 Säcken/ha im nationalen Durchschnitt. Diese herausragenden Erträge realisiert er vor allem dank regelmäßigem Beschneiden seiner Kaffeesträucher und dem Aufbringen von Kompost. Auf diesem regenarmen Hochplateau ist es nämlich äußerst wichtig, die Humusschicht vor dem totalen Austrocknen und Zerfall in der Sonne zu schützen. Abgesehen von seinen Anstrengungen zur Produktivitätsverbesserung befolgt der Kaffeefarmer jedoch auch die im AAA-Programm enthaltenen Wiederaufforstungsempfehlungen auf den 20 % der Familien-Ländereien, die mit wilder Savanne bedeckt sind.

Im Jahr 2008 wurde unter den Farmern der Cerrado ein Wettbewerb veranstaltet. Als Preis für die beste Umsetzung der Nespresso Empfehlungen winkte eine Reise in die Schweizer Alpen. Und natürlich gewann Leocarlos auch diese neue Herausforderung problemlos. Seither motiviert er mehr und mehr produktive Gipfelstürmer in seiner Region.


Text: Julien Bouré;

Fotos: Olivier Gachen



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